{"id":36,"date":"2017-12-02T18:56:25","date_gmt":"2017-12-02T17:56:25","guid":{"rendered":"http:\/\/StefanoBalzarin.de\/?p=36"},"modified":"2017-12-02T19:04:05","modified_gmt":"2017-12-02T18:04:05","slug":"ein-freund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/StefanoBalzarin.de\/?p=36","title":{"rendered":"Ein Freund"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Guter Freund&#8220;, &#8222;Bester Freund&#8220;, &#8222;Echter Freund&#8220; &#8230;. gibt es das? Wann steht es einem zu, so einen Titel zu vergeben oder zu erhalten? Fakt ist lediglich, dass Stefanos Bruder Alessandro einige Jahre f\u00fcr mich einem besten Freund am n\u00e4chsten kam oder einfach das war. Und im Verlauf dieser Jahre wurde auch Stefano f\u00fcr mich ein Freund, ob er es wollte oder nicht. Dies hing auch selbstverst\u00e4ndlich mit dem Umstand zusammen, dass Stefano dann das Pinocchio er\u00f6ffnete. In der kritischen Phase meines Erwachsenwerdens war das Pinocchio meine zweite Heimat; mancher Beobachter w\u00fcrde sogar behaupten, meine erste Anlaufstelle. Ja, wir (au\u00dfer mir noch ein paar Freunde) waren jeden Abend, an dem Stefano offen hatte, dort. Das begann mit dem Er\u00f6ffnungstag und ging wirklich recht lange so. Es ist vielleicht seltsam oder komisch aber ich habe unz\u00e4hlige und unbezahlbare Erinnerungen an die vielen Male, als ich bei der Familie Balzarin im Elternhaus, sp\u00e4ter bei Alessandro und Stefano in deren Wohnungen und schlussendlich am h\u00e4ufigsten im Pinocchio war. Aber Fotos; nein, davon habe ich kein einziges. Weshalb, kann man sich fragen. Ich denke, das h\u00e4ngt mit mehreren Dingen zusammen: als Jugendlicher und junger Erwachsener konnte ich Fotos von mir nicht ausstehen und ich fand es auch nicht erstrebenswert, andere Menschen abzulichten. Dann hatte nicht jeder einfach so eine Kamera und ich hatte auch noch nicht begonnen mich f\u00fcr die Fotografie zu interessieren. Zudem war Stefano, sofern ich mich richtig daran erinnere, zumindest auch kein Riesenfan von Lichtbildern, die ihn zeigten (das ist meine ich vorsichtig ausgedr\u00fcckt). Deshalb also kein Foto, das ich hier zeigen k\u00f6nnte. Aber viele Erinnerungen und kleine Episoden. Stefano und Alessandro waren keine Freunde von smalltalk und besonders Stefano wirkte sicherlich auf Menschen zun\u00e4chst, wie soll ich es beschreiben, unnahbar, vielleicht sogar abweisend. Aber wenn man sich die Zeit nahm und versuchte Stefano etwas besser kennen zu lernen, dann merkte man irgendwann, um was f\u00fcr eine Art Mensch es sich handelte. N\u00e4mlich um jemanden, den man oder besser ich pers\u00f6nlich auf alle F\u00e4lle in die oben angesprochenen Kategorien einordnen durfte. Nicht dass ich besonders auf Kategorien oder irgendwelche k\u00fcnstlichen Einteilungen von Menschen stehen w\u00fcrde. Stefano war jemand, von dem ich wusste, wenn ich Probleme hatte oder auch nur eine Kleinigkeit ben\u00f6tigte, er w\u00fcrde mir helfen. Ohne ein Wort zu verlieren; ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Er war jemand mit dem man sich auch einfach nur mal anschweigen konnte und man trotzdem das Gef\u00fchl hatte, man wurde verstanden. Jemand, der einem unverbl\u00fcmt die Meinung sagte und einem so auch manchmal den Spiegel vorhielt und zum Nachdenken anregte. Ein Mensch, der einen unnachahmlichen Humor hatte und mich unweigerlich zum Lachen oder mindestens Grinsen brachte; auch wenn ich kurz vorher noch schlecht gelaunt, traurig oder sonstwas war. Und auf den auch eines meiner wichtigsten Kriterien zutraf, die f\u00fcr mich &#8222;echte&#8220; Freunde ausmachen: Aus welchen Gr\u00fcnden auch immer hat man sich eine Ewigkeit nicht gesehen und dann sitzt man sich wieder gegen\u00fcber und kann einfach da weitermachen, wo man aufgeh\u00f6rt hat. Als dies alles akut war, habe ich nicht weiter dar\u00fcber nachgedacht. Aber ich wurde \u00e4lter, &#8222;Freunde&#8220; kamen und gingen und man \u00fcberlegt dann immer, warum das im einzelnen Fall so gelaufen ist; weshalb es einem nicht mehr so zu jemandem hinzieht und dann erkennt man langsam, was die Gr\u00fcnde sind. Auch wenn ich eigentlich nur ein Kunde war (oder maximal ein Freund seines kleinen Bruders), ich habe es immer so wahrgenommen: Stefano hat mich niemals nur als solchen betrachtet. Dennoch kann ich mir nicht anma\u00dfen, Stefano wirklich gut gekannt zu haben. Nur ein paar Dinge wei\u00df ich \u00fcber ihn. So z.B. die Geschichte wie es dazu kam, dass er sich f\u00fcr Kampfsport interessierte und anfing mit Gewichten zu trainieren. Und in dieser Hinsicht war er dann auch schnell ein Vorbild f\u00fcr mich. Auch wenn ich schon recht fr\u00fch angefangen hatte, Kraftsport zu machen, habe ich es nie auf dieses Niveau geschafft. Er legte eine Determination, Motivation und eine Leidenschaft an den Tag, die ihresgleichen sucht. Und wenn es dazu kam dass ich zusammen mit ihm trainieren konnte, zog er einen mit wie eine Diesellok mit einem unersch\u00f6pflichen Vorrat an Kraftstoff. Hier soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, es w\u00e4re immer alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen oder es g\u00e4be sowohl von mir als auch von Stefano nur positives zu berichten. Nein, Stefano hatte seine Ecken und Kanten und er war sicherlich in vielen Dingen sehr eigen. Und auch wenn es jetzt l\u00e4cherlich wirkt, so war Stefano einer von den &#8222;Gro\u00dfen&#8220;, weil eben drei Jahre \u00e4lter. Jetzt, mit 47, ist das zu vernachl\u00e4ssigen. Aber wenn der kleine Bruder 16 ist und der \u00e4ltere Bruder 19, dann sind das Welten. Und so blieb das nat\u00fcrlich; Stefano hing mit den &#8222;Gro\u00dfen&#8220;, seinesgleichen, rum und ich ging mit meinen Klassenkameraden, ehemaligen Klassenkameraden und Freunden (die allesamt eben gleichalt oder wenig j\u00fcnger waren als ich) ins Pinocchio. Dennoch, ich schreibe es noch einmal, f\u00fcr mich hat es sich jedes einzelne Mal so angef\u00fchlt, als w\u00fcrde ich zu einem Freund gehen. Dann gab es auch Gelegenheiten, wenn auch wenige, wo wir zusammen, au\u00dferhalb des Raumes Pinocchio\/Wirtschaft, etwas unternahmen wie z.B. eine Runde auf unseren Motorr\u00e4dern zu drehen. Das war eines der Hobbies, die Stefano und ich gemeinsam hatten. Sicherlich, das ist lange her. Die letzte Erinnerung an Stefano ist aber auch wieder eine, in der wir beide eine &#8222;gemeinsame Leidenschaft&#8220; aus\u00fcbten: Papa sein. Im Supermarkt hatte ich Stefano mit seiner Tochter getroffen und ich meine mein Sohn war auch dabei. Stefano machte in seiner trockenhumorigen Art eine Bemerkung \u00fcber einen nicht unerheblichen Anteil in meinem Einkaufswagen: irgend etwas mit &#8222;Einfachzucker&#8220; sagte er. Da war mir schnell klar, dass Stefano auch seine Rolle als Vater sehr ernst nahm und wirklich versuchte, das Beste f\u00fcr sein Kind anzustreben; in Erziehung und Ern\u00e4hrungsgewohnheiten und sicherlich in allem und immer mit vollem Einsatz und mit Leidenschaft.<\/p>\n<p>Timm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Guter Freund&#8220;, &#8222;Bester Freund&#8220;, &#8222;Echter Freund&#8220; &#8230;. gibt es das? Wann steht es einem zu, so einen Titel zu vergeben oder zu erhalten? Fakt ist lediglich, dass Stefanos Bruder Alessandro einige Jahre f\u00fcr mich einem besten Freund am n\u00e4chsten kam oder einfach das war. 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